Die häufigsten Anfängerfehler bei Schwangerschaftsdiabetes – und was ich heute anders machen würde

a glucometer and a bowl of brussels sprouts

Als ich die Diagnose Schwangerschaftsdiabetes bekommen habe, wollte ich vor allem eines: Alles richtig machen. Ich habe jede Mahlzeit hinterfragt, ständig über meinen Blutzucker nachgedacht und versucht, bloß keinen Fehler zu machen. Rückblickend würde ich vieles entspannter angehen. Nicht, weil Schwangerschaftsdiabetes harmlos ist. Sondern weil ich am Anfang einige typische Anfängerfehler gemacht habe, die mir unnötig Stress verursacht haben. Vielleicht erkennst du dich in dem einen oder anderen Punkt wieder 🤍


1. Ich wollte von Anfang an perfekt sein

Das war wahrscheinlich mein größter Fehler. Kaum hatte ich die Diagnose, wollte ich sofort alles richtig machen. Keine Ausnahmen. Keine Fehler. Keine schlechten Werte. Jeder einzelne Ausreißer hat mich verunsichert. Heute weiß ich: Ein einzelner hoher Wert entscheidet nicht über die gesamte Schwangerschaft. Wichtiger ist das große Ganze.


Was mir geholfen hat

Nicht jeden Wert emotional zu bewerten. Ein Blutzuckerwert ist eine Information. Keine Schulnote.


2. Ich habe Kohlenhydrate komplett gestrichen

Am Anfang hatte ich Angst vor allem, was Kohlenhydrate enthält.

Brot.
Kartoffeln.
Nudeln.
Obst.

Also habe ich versucht, möglichst wenig davon zu essen.

Das Ergebnis:

Ich war ständig hungrig. Und manchmal hatte ich sogar eher Probleme mit zu niedrigen Werten.


Was ich gelernt habe

Es geht nicht darum, Kohlenhydrate komplett zu vermeiden. Sondern darum, herauszufinden, welche Mengen und Kombinationen für den eigenen Körper funktionieren. Und welche Art von Kohlenhydrathen ich esse. Beispiel: Vollkornnudeln (am besten noch am Vortag gekocht) haben bei mir keinen Blutzuckeranstieg ausgelöst, während normale Weizennudeln oder auch Dinkelnudeln meinen Blutzucker schnell ansteigen ließen.


3. Ich habe zu wenig gegessen

Weil ich Angst vor hohen Werten hatte, habe ich manche Mahlzeiten unnötig klein gemacht. Das hat mich nicht nur hungrig gemacht, sondern auch gestresst. Irgendwann habe ich verstanden: Zu wenig essen ist keine Lösung. Gerade in der Schwangerschaft braucht der Körper Energie.


4. Ich habe ständig gegoogelt

Wahrscheinlich kennen das viele. Nach jedem auffälligen Wert habe ich sofort recherchiert. Und natürlich findet man im Internet vor allem Horrorgeschichten. Große Babys. Komplikationen. Einleitungen…. Das hat meine Angst oft noch verstärkt.


Was ich heute anders machen würde

Weniger googeln. Mehr auf die eigenen Ärzte hören. Und vor allem nicht jede Ausnahme als Katastrophe betrachten.


5. Ich habe mich mit anderen verglichen

Eine Freundin konnte problemlos Vollkornbrot essen. Eine andere vertrug Kartoffeln. Bei mir sah das manchmal ganz anders aus. Das hat mich anfangs wahnsinnig frustriert.


Was ich gelernt habe

Jeder Körper reagiert anders. Nur weil etwas bei einer anderen Schwangeren funktioniert, bedeutet das nicht automatisch, dass es auch bei dir funktionieren muss. Und umgekehrt.


6. Ich hatte ständig Schuldgefühle

Jeder hohe Wert hat sich wie persönliches Versagen angefühlt. Dabei ist Schwangerschaftsdiabetes keine Charakterprüfung. Und auch kein Zeichen dafür, dass man etwas falsch gemacht hat. Das zu verstehen hat bei mir eine Weile gedauert.


7. Ich habe Insulin als „Niederlage“ gesehen

Als Ernährung allein nicht mehr gereicht hat, war ich enttäuscht. Ich hatte das Gefühl, versagt zu haben. Heute sehe ich das völlig anders. Insulin ist kein Scheitern. Es ist einfach ein weiteres Werkzeug, um die Werte zu unterstützen. Mehr nicht.


Mein wichtigster Rat für frisch Diagnostizierte

Wenn ich noch einmal ganz am Anfang stehen würde, würde ich versuchen, etwas freundlicher mit mir selbst umzugehen. Schwangerschaftsdiabetes ist schon anstrengend genug. Man muss sich nicht zusätzlich noch selbst unter Druck setzen.

Niemand macht alles perfekt.

Und das muss auch niemand.

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