Mein Alltag mit Schwangerschaftsdiabetes und Insulin

Als ich die Diagnose Schwangerschaftsdiabetes bekam, dachte ich zuerst, die größte Herausforderung würde die Ernährung sein: weniger Zucker, mehr auf Kohlenhydrate achten, ein bisschen Bewegung. Irgendwie würde das schon funktionieren.

Dass mein Alltag sich aber plötzlich fast komplett um Blutzuckerwerte, Arzttermine und Insulin drehen würde, darauf war ich überhaupt nicht vorbereitet.

Als Ernährung plötzlich nicht mehr gereicht hat

Am Anfang habe ich wirklich versucht, meine Werte nur über Ernährung in den Griff zu bekommen.

Ich habe alles hinterfragt:

  • Frühstück
  • Snacks
  • Obst
  • Milch
  • Nudeln
  • selbst kleine Gewohnheiten

Normale Nudeln wurden zu Vollkornnudeln in Miniportionen. Mein Frühstück sah plötzlich komplett anders aus. Statt Müsli mit Obst gab es Eiweißbrot oder Dinge, über die ich vorher nie nachgedacht hätte. Und trotzdem waren manche Werte einfach zu hoch. Irgendwann kam dann der Moment, vor dem ich am meisten Angst hatte: Ich musste Insulin spritzen.

Die Angst vor dem ersten Insulin

Allein das Wort Insulin hat mir erstmal Angst gemacht. In meinem Kopf klang das plötzlich nach „richtiger Krankheit“. Viel ernster als vorher. Ich weiß noch, wie unangenehm sich die ersten Spritzen angefühlt haben. Vor allem emotional. Körperlich war es oft gar nicht so schlimm wie erwartet — aber mental war es eine riesige Umstellung. Plötzlich musste ich mir selbst Spritzen geben. Während der Schwangerschaft. Für mein Baby. Diesen Gedanken erstmal zu akzeptieren, hat gedauert.

Mein Alltag bestand plötzlich aus Zahlen

Mit Schwangerschaftsdiabetes und Insulin verändert sich der Alltag komplett. Ich musste morgens direkt nach dem Aufstehen messen und spritzen. Dann wieder vor dem Essen messen. Danach nochmal messen und spritzen. Und zwischendurch ständig überlegen:

„Was esse ich jetzt?“
„Wie viele Kohlenhydrate sind das?“
„War das zu viel?“
„Reicht die Bewegung heute?“

Irgendwann dreht sich gefühlt alles nur noch um Werte. Und genau das fand ich psychisch fast am anstrengendsten.

Gefühlt ständig bei Ärzten

Dazu kamen die vielen Termine.

Frauenarzt.
Diabetologe.
CTG.
Kontrollen.
Werte besprechen.
Insulin anpassen.

Weil ich plötzlich als Risikoschwangere galt, wurde alles enger überwacht. Natürlich war ich gleichzeitig auch froh darüber. Trotzdem hatte ich irgendwann das Gefühl, nur noch zwischen Arztterminen zu leben. Gerade gegen Ende der Schwangerschaft wurde das unglaublich anstrengend.

An das Spritzen habe ich mich nie ganz gewöhnt

Viele sagen irgendwann, man gewöhnt sich daran. Vielleicht stimmt das teilweise. Aber ehrlich? Ich fand das Spritzen bis zum Schluss unangenehm. Vor allem in den Bauch. Manche Tage waren okay, an anderen musste ich mich jedes Mal überwinden. Und trotzdem macht man es einfach. Weil man alles dafür tun möchte, dass es dem Baby gut geht. Das war letztendlich immer meine größte Motivation.

Blutzucker messen und Insulin spritzen in der Öffentlichkeit

Was ich vorher völlig unterschätzt hatte: Wie unangenehm sich Schwangerschaftsdiabetes plötzlich in der Öffentlichkeit anfühlen kann. Vor allem am Anfang. Schon das kleine Messgerät aus der Tasche zu holen, hat mich nervös gemacht. Im Restaurant. Im Büro. Unterwegs im Café. Ich hatte ständig das Gefühl, dass alle hinschauen. Und beim Insulin spritzen noch mehr. Ich habe versucht, alles möglichst unauffällig zu machen. Mich wegzudrehen. Kurz auf die Toilette zu gehen. Zu warten, bis niemand hinsieht. Hauptsache, es merkt keiner.

Aber ehrlich gesagt hat mich genau das irgendwann noch mehr gestresst. Denn eigentlich ging es ja nicht darum, etwas zu verstecken. Sondern darum, gut für mich und mein Baby zu sorgen. Mit der Zeit hat sich meine Einstellung dazu komplett verändert.

Irgendwann habe ich meinen Blutzucker einfach da gemessen, wo ich gerade war. Am Tisch im Café. Zwischen zwei Terminen im Büro. Oder draußen auf einer Parkbank. Und genauso war es irgendwann auch mit dem Insulin. Je normaler ich selbst damit umgegangen bin, desto weniger Aufmerksamkeit bekam es auch von außen.

Natürlich habe ich dabei auch ein paar praktische Dinge gelernt. Zum Beispiel, dass Kleidung plötzlich eine größere Rolle spielt, als man denkt. Ein enges Kleid, das man komplett hochziehen muss, macht das Spritzen unterwegs einfach unnötig kompliziert. Mit lockeren Oberteilen oder einer Hose war vieles deutlich entspannter.

Und irgendwann wurde das Ganze einfach Alltag. Nicht unbedingt angenehm. Aber normal. Und ganz ehrlich: Die meisten Menschen interessiert es sowieso überhaupt nicht. Und falls doch mal jemand schaut, ist das am Ende auch okay. Denn in diesen Momenten geht es nicht darum, was andere denken. Sondern darum, dass du dich gut um dich und dein Baby kümmerst

Die psychische Belastung sieht oft niemand

Von außen wirkte wahrscheinlich vieles völlig normal. Aber innerlich läuft die ganze Zeit etwas mit.

Dieses ständige Kontrollieren.
Das Nachdenken über Essen.
Die Angst vor schlechten Werten.
Der Druck, alles richtig machen zu müssen.

Ich glaube, genau darüber wird bei Schwangerschaftsdiabetes viel zu wenig gesprochen.

Was mir im Alltag wirklich geholfen hat

Mit der Zeit habe ich mir kleine Routinen aufgebaut. Ich hatte fast immer Snacks dabei. Proteinriegel waren irgendwann Standard in meiner Tasche. Bewegung nach dem Essen hat oft geholfen. Und irgendwann wusste ich ungefähr, welche Lebensmittel bei mir gut funktionieren — und welche eher nicht. Perfekt wurde es nie. Aber berechenbarer. Und genau das hat vieles leichter gemacht.

Mein Fazit

Schwangerschaftsdiabetes mit Insulin kann unglaublich anstrengend sein — körperlich, aber vor allem mental. Trotzdem habe ich irgendwann gemerkt, dass man Schritt für Schritt in diese neue Routine hineinwächst.

Und genau deshalb ist es so wichtig, offen darüber zu sprechen 🤍

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