Überraschend kam die Diagnose diesmal nicht, denn wer schon einmal Schwangerschaftsdiabetes hatte, hat ein erhöhtes Risiko, ihn in einer weiteren Schwangerschaft wieder zu bekommen. Deshalb bekam ich auch direkt den großen Zuckertest und hatte mich innerlich eigentlich schon darauf eingestellt, dass das Ergebnis wieder positiv sein könnte. Natürlich hätte ich trotzdem gerne darauf verzichtet, aber anders als in meiner ersten Schwangerschaft hat mich die Diagnose diesmal nicht völlig aus der Bahn geworfen. Blutzuckermessgerät, Ernährung, Kohlenhydrate, Diabetespraxis – das alles kannte ich schon und ich wusste zumindest ungefähr, was auf mich zukommt.
Vor allem dachte ich, ich wüsste inzwischen ziemlich gut, was bei mir funktioniert. In meiner ersten Schwangerschaft hatte ich schließlich irgendwann meine Routinen und kleinen Tricks entwickelt. Einer davon waren Nudeln vom Vortag: abgekühlt, am nächsten Tag wieder aufgewärmt und meine Werte waren damit teilweise erstaunlich gut. Also dachte ich natürlich, dass ich das diesmal genauso machen könnte. Tja – mein Blutzucker sieht das offenbar anders. Nudeln vom Vortag funktionieren in dieser Schwangerschaft bei mir längst nicht mehr so gut wie beim ersten Mal. Das ist besonders praktisch, weil ich inzwischen ein Kleinkind habe und was ist natürlich seine absolute Leibspeise? Nudeln. 😀 Während mein Kind also glücklich seine Nudeln futtert, überlege ich daneben, wie viele davon ich mir auf den Teller packen kann, ohne dass mein Wert anschließend zu hoch wird.
Essen ist auch beim zweiten Mal nicht unkompliziert
Ich würde gerne behaupten, dass ich inzwischen so erfahren mit Schwangerschaftsdiabetes bin, dass Essen für mich kein großes Thema mehr ist, aber so ist es leider nicht. Da ich in dieser Schwangerschaft vor den Mahlzeiten kein Insulin spritze, muss ich sogar ziemlich genau darauf achten, wie viele Kohlenhydrate ich esse. Grundsätzlich funktioniert das gut und ich bekomme meine Werte tagsüber mit der Ernährung in den Griff, allerdings bedeutet das eben auch, bei Brot, Nudeln, Reis und Co. genauer hinzuschauen und häufig weniger davon zu essen, als ich es ohne Schwangerschaftsdiabetes tun würde.
Gleichzeitig gibt es wieder diese völlig unerwarteten Entdeckungen, die wahrscheinlich jede Frau mit Schwangerschaftsdiabetes kennt: Lebensmittel, bei denen man einen hohen Wert erwartet und bei denen erstaunlich wenig passiert – und andere, bei denen es genau umgekehrt ist. Mein persönlicher Star dieser Schwangerschaft ist ausgerechnet Mikrowellenreis von Ben’s Originals Affiliate Link, der sich bei mir fast gar nicht auf den Blutzucker auswirkt. Warum mein Körper bei Nudeln vom Vortag (selbst bei Dinkel oder Vollkorn) diesmal protestiert, während er diesen Reis offenbar völlig in Ordnung findet, kann ich nicht erklären. Ich nehme es einfach dankbar hin.
Genau solche Erfahrungen zeigen mir aber auch, wie individuell Schwangerschaftsdiabetes ist. Nur weil ein bestimmtes Lebensmittel bei einer anderen Frau funktioniert, muss es bei mir noch lange nicht funktionieren – und offenbar gilt das sogar für meine eigenen Erfahrungen. Was in meiner ersten Schwangerschaft problemlos ging, kann beim zweiten Mal plötzlich ganz anders aussehen.
Diesmal ist vor allem mein Nüchternzucker das Problem
Während ich meine Werte tagsüber mit der Ernährung ziemlich gut hinbekomme, ist diesmal vor allem mein Nüchternzucker zu hoch. Und genau das empfinde ich als besonders frustrierend, weil ich bei meinen Werten nach dem Essen zumindest das Gefühl habe, selbst etwas beeinflussen zu können. Ich kann weniger Kohlenhydrate essen, Lebensmittel anders kombinieren oder ausprobieren, was bei mir besser funktioniert. Beim Nüchternwert dagegen gehe ich schlafen, mein Körper macht nachts, was er eben macht, und morgens stehe ich mit meinem Messgerät da und sehe das Ergebnis.
Deshalb spritze ich abends Langzeitinsulin. Insulin selbst ist für mich allerdings nichts Neues, denn auch in meiner ersten Schwangerschaft musste ich abends Langzeitinsulin spritzen – damals allerdings zusätzlich auch vor jeder Mahlzeit. In dieser Schwangerschaft ist das bisher nicht notwendig. Solange ich bei meiner Ernährung und besonders bei der Menge der Kohlenhydrate aufpasse, bleiben meine Werte nach dem Essen im Zielbereich. Nur der Nüchternwert möchte eben nicht so richtig mitspielen.
Beim zweiten Mal bin vor allem ich anders
Der vielleicht größte Unterschied zwischen meinen beiden Schwangerschaften liegt deshalb gar nicht unbedingt in meinen Blutzuckerwerten, sondern darin, wie ich damit umgehe. Beim ersten Mal hat mich das ganze Thema viel stärker beschäftigt und vor allem das Messen hatte teilweise erstaunlich viel Einfluss auf meine Stimmung. Ein guter Wert bedeutete Erleichterung, bei einem schlechten Wert begann sofort das Grübeln: Was habe ich gegessen? War es zu viel? Warum ist der Wert noch so hoch? Hätte ich etwas anders machen müssen?
Ich habe damals teilweise sogar häufiger gemessen als eigentlich notwendig, weil ich wissen wollte, ob mein Blutzucker inzwischen wieder gesunken war. Wenn das Ergebnis dann nicht meinen Erwartungen entsprach, hatte ich direkt den nächsten Wert, über den ich mir Gedanken machen konnte. Heute bin ich damit deutlich entspannter. Ich messe, sehe den Wert und dann geht mein Leben weiter.
Das merke ich besonders unterwegs. Blutzucker in der Öffentlichkeit messen? Macht mir inzwischen überhaupt nichts mehr aus. Dann hole ich eben im Restaurant oder irgendwo unterwegs mein Messgerät heraus, pikse mir in den Finger und messe. Das gehört momentan zu meinem Alltag und ich verschwende kaum noch einen Gedanken daran, ob irgendjemand das komisch finden könnte. Vielleicht liegt es daran, dass ich das alles schon einmal erlebt habe – oder daran, dass man mit einem Kleinkind sowieso irgendwann eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber der Frage entwickelt, was fremde Menschen gerade von einem denken. 😉
Dieselbe Diagnose, eine andere Schwangerschaft
Je länger diese zweite Schwangerschaft dauert, desto interessanter finde ich deshalb, wie unterschiedlich dieselbe Diagnose sein kann. Beim ersten Mal funktionierten Lebensmittel, die diesmal nicht mehr funktionieren. Damals brauchte ich Insulin zu jeder Mahlzeit und zusätzlich Langzeitinsulin am Abend, während ich diesmal bislang nur abends spritze. Gleichzeitig muss ich ohne Mahlzeiteninsulin stärker darauf achten, wie viele Kohlenhydrate auf meinem Teller landen. Beim ersten Mal hat mich das Messen viel mehr beschäftigt, heute gehört es einfach dazu.
Und natürlich gibt es noch einen ziemlich entscheidenden Unterschied: Beim ersten Mal war ich schwanger und hatte Schwangerschaftsdiabetes. Diesmal bin ich schwanger, habe Schwangerschaftsdiabetes und gleichzeitig ein Kleinkind, dessen Vorstellung von ausgewogener Ernährung ungefähr bei „Nudeln“ beginnt und bei „noch mehr Nudeln und Brot“ endet.
Vielleicht besteht meine wichtigste Erfahrung beim zweiten Mal deshalb gar nicht darin, inzwischen genau zu wissen, welche Lebensmittel „gut“ oder „schlecht“ sind. Offensichtlich lässt sich das sowieso nicht so einfach übertragen. Was ich inzwischen besser kann, ist auszuprobieren, zu messen und zu akzeptieren, dass das Ergebnis manchmal anders ist als erwartet. Dann funktionieren die Nudeln vom Vortag eben nicht mehr so gut, dafür entdecke ich plötzlich einen Mikrowellenreis, mit dem mein Blutzucker wunderbar zurechtkommt. Dann muss ich bei den Kohlenhydraten genauer hinschauen, brauche dafür aber momentan kein Insulin vor den Mahlzeiten.
Das alles hätte sich in meiner ersten Schwangerschaft wahrscheinlich viel dramatischer angefühlt. Heute ist es ein Teil meines Alltags – keiner, den ich mir ausgesucht hätte, aber auch keiner, dem ich jeden Tag mehr Raum geben möchte als nötig.
Deshalb schreibe ich auch diesmal darüber
Gerade weil meine zweite Erfahrung so anders ist, möchte ich sie auf diesem Blog festhalten. Nach meiner ersten Schwangerschaft hätte ich wahrscheinlich selbst gedacht, dass ich inzwischen ziemlich genau weiß, wie „mein“ Schwangerschaftsdiabetes funktioniert. Jetzt merke ich, dass es so einfach nicht ist. Man kann zum zweiten Mal dieselbe Diagnose bekommen und trotzdem vor ganz anderen Herausforderungen stehen. Man kann auf seine Ernährung achten und trotzdem Insulin benötigen, in einer Schwangerschaft Insulin vor jeder Mahlzeit brauchen und in der nächsten nicht – und sogar ein Lebensmittel, das beim ersten Mal hervorragend funktioniert hat, kann plötzlich ganz andere Werte verursachen.
Schwangerschaftsdiabetes ist eben nicht immer gleich – nicht von Frau zu Frau und offenbar noch nicht einmal von Schwangerschaft zu Schwangerschaft.
Was bei mir diesmal funktioniert, was überhaupt nicht funktioniert und wie sich mein Alltag mit Kleinkind, Kohlenhydraten, Nüchternwerten und abendlichem Insulin entwickelt, werde ich deshalb hier weiter teilen. Und wer weiß: Vielleicht entdecke ich irgendwann sogar noch eine Alternative zu Nudeln, die mein Kind akzeptiert. Die Hoffnung stirbt zuletzt. 😉

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